Horse Tale

... oder ein Unwissender erzählt über Pferde

Hm, hat schon mal jemand von der Rasse mit den lustigen Puscheln an den Füßen gehört? Also, ich vor gut einem Jahr noch nicht wirklich. Hin und wieder zwar mal ein Foto oder so was, aber dass die Rasse Irish Tinker heißt und aus Irland kommt, habe ich damals noch nicht gewusst. Ich hatte damals eigentlich noch überhaupt so ziemlich keine Ahnung was Pferde betrifft, außer ab und zu mal in ne Cavallo geschaut- aber wirklich nur geschaut. Hab nämlich Angst vor diesen wundervollen Geschöpfen, das muss man wissen.

Nun aber ganz von Anfang an...

 

Wir brauchen ein Pferd???

 

Auf einmal hatte Karina den Wunsch nach einem Pferd. Nicht wirklich auf  einmal, denn ihr Vater hatte ihr eins versprochen, seit sie 12 ist. Mittlerweile ist sie fast 20. Auf jeden Fall, schien sich ihr Wunsch jetzt zu erfüllen, denn sie bekam eins. Das ging so schnell, dass hab ich gar nicht richtig mitbekommen. So nach dem Motto: “Ich geh mal schnell ein Pferd kaufen...“ zweimal irgendwohin gefahren (ich weiß bis heut noch nicht wohin) und schon war’s da, das Pferd. Schnell noch nen Stall gesucht, war gleich in der Nähe (zu dem Zeitpunkt noch ein Superstall). Super mitten in der Natur, Felder, Wald, Wasser und Reitwege soweit das Auge reicht. Zudem noch mit Ausmist- und Futterservice. Das ganze für 200 Euro!!!! Nicht teuer!

Ach ja, das Pferd heißt MAIKA und ist eine superliebe, 6 jährige Haflingerstute. Anfangs war sie ein wenig schüchtern und nervös. Aber das hat  Karina bald wegbekommen, zumindest das Schüchterne. Nervös war sie trotz allem irgendwo noch immer. So das Pferd konnte nix, null, gar nix, außer rumsteh'n und hübsch ausschau’n. Dann gingen die Überlegungen los, ob man sie einreiten lassen soll oder ob Karina es vielleicht selbst mal mit Bodenübungen  versuchen soll. Wir entschieden uns für letzteres... Viel Kampf, viel Schweiß und viele Nerven verlangte diese Aktion allen Beteiligten ab. Am Schluss gab’s dafür ein Pferd, dass folgt wie ein ausgebildeter Hund. Nun so verging das erste halbe Jahr. Alles schön mit Ruhe und Gelassenheit. Mit der Zeit legten wir uns auch einen Sattel zu, na ja es war eher ein Sofa für Pferderücken. Schönes Teil und passt auf nen Haflingerrücken perfekt. Nur- wer reitet jetzt das Pferd ein???

Wieder hat sich Karina(da es ja ihr Pferd ist) selber versucht und es hat ganz gut geklappt. Nur wenn da Karinas Angst vor dem Galoppieren nicht wäre. Diese wurde ihr eines Tages fast zum Verhängnis. Die beiden blonden Damen waren an einem kalten Wintertag zusammen in der Halle und spielten ein bisschen miteinander J. Auf einmal hörte sie nur noch das Eis krachen und den Stallbesitzer rufen: 

“ Achtung! Da Rudi ist abghaut!“ (Nun ja Rudi, Rudi ist ein ausgewachsener Hochlandrind-Bulle.)

Das fand die Maika nicht wirklich lustig und ist vor lauter Schreck losgaloppiert- mit meiner Frau obendrauf. Hm, vielleicht ist so was gar net schlecht, auf jeden Fall hat sie seit dem viel weniger angst vorm galoppieren und es wurde von mal zu mal besser.

Langsam aber sicher schlich sich bei Karina der Gedanke ein, ein zweites Pferd zu kaufen. Hmmm, ein zweites Pferd? Warum nicht, wenn sie es schafft und Spaß dran hat... Okay, nun beginnt die Suche. Haflinger wollte sie keinen mehr, weil... Maika einfach einmalig ist!

Araber sind nicht schön, Friesen zu normal und Islandpferde sind... Islandpferde...

 

 

 

 

 


Pferd die 2.

 

Nun Karina schaute auf einer HP von irgendso nem Pferdehof. Mooshof hieß der und hat ganz coole Pferde zum Verkauf. Alles Irish Tinker, schaut ganz interessant aus, die Rasse. Eine sehr schöne Tinkerstute mit dem Namen Laureen hat es Karina angetan. Ein richtiger kleiner Panzer. Mein erster Gedanke war, die tritt einmal nach mir und ich bin Geschichte. Trotz allem ab ins Auto, auf die Autobahn und ab nach Straußdorf. Natürlich unangemeldet. Dort angekommen, erst mal gestaunt, was’n geiler Hof. Nicht so etepete, aber auch nicht runtergekommen, sondern richtig gemütlich. Die erste Person, die wir  angesprochen hatten, stellte sich als Thomas vor und erklärte uns alles. Dann führte er uns in den Offenstall.

Oh Gott! Ich umzingelt von 30 Pferden. Angst umschlich mich, wie ein wildes Tier. Doch dieses Gefühl legte sich sehr schnell, nachdem ich gesehen habe wie locker die Pferde waren.

Mann, mich hat’s erwischt! Will haben, will haben!!! Ein Blick zu meiner Frau- das gleiche Funkeln in den Augen... wo ist meine Vernunft?

Dann der Schock, Laureen ist  schon reserviert. L Karina war total am deprimiert und ich seltsamerweise auch! (Hilfe, was passiert hier mit mir???) Pech gehabt. So nach und nach haben wir dann rausgefunden, dass Thomas der Chef dieses Stalles ist und sein Leben dieser Rasse verschrieben hat. Zu seinem Team gehören seine Frau Angela, die sich mindestens genauso gut mit den Tieren auskennt und Vero, die mit den Tieren Körpersprache übt. Gehören schon noch mehr dazu, aber die kenn ich vom Namen her nicht so genau. Okay, geknickt wieder heimgefahren.

 

Wochen später, im Januar wieder der tägliche Blick auf die Mooshof-HP in die Spalte VERKAUFSPFERDE. Und da war SIE- Bradley. Ein Wahnsinnspferd. Sofort E-Mail an Thomas und reserviert. Ja, unser Pferd- dachte ich zumindest. Und ich hatte recht J. Ab jetzt großes Warten, wann sie endlich kommt. Nun denn, als sie dann da war, sind wir mindestens einmal die Woche zum Mooshof um sich mit der Süßen vertraut zu machen. Dann kam es, das Schnupperwochenende an dem jeder sein Pferd für 2 Tage richtig kennen lernen darf. Bin auch mitgefahren aber nicht zum reiten, weil soweit war ich zu dem Zeitpunkt noch nicht und bin ich auch heut noch nicht. War trotzdem sehr interessant und lehrreich. Karina hat’s auch Spaß gemacht und am Abend des zweiten Tages ging’s mit den Verkaufspapieren nach Hause. Unser Pferd! Im Laufe der nächsten Woche holte dann Karinas Vater unsere Bradley zu uns in den Stall. Neugierige Blicke auf dieses Pferd, weil sie halt doch was anderes ist wie ein Standard-Reitpony. Lustige Fragen wie: “Ist das ein frisierter Friese???“ oder 

„Der ist aber net reinrassig, der Friese?“ Nein, ist es nicht, des ist überhaupt kein Friese! Na ja, unwissende halt. J  Nach ein paar Tagen Eingewöhnung, welche sie super gemeistert hat, ging’s das 1. Mal in die Halle. „In die HALLE? Was soll ich da???“ fragte sich Bradley. Für ein Pferd, dass sein Leben lang auf der Koppel stand, ist eine Halle was sehr ungewöhnliches, wie sie uns unmissverständlich mitteilte. Wieder ein Pferd, mit dem man das Spiel *ICH VERSUCH DIR WAS ZU LERNEN UND DU TUST ES* spielen darf. Ging aber ganz gut, nur stur ist sie ein bisschen, is halt’n Tinker.  Beinheben beim Hufauskratzen, nicht mit mir, oder warum traben, wenn ich auch galoppieren kann, waren ihre Lieblingsspiele.

Als Bradley eine Zeit bei uns war, lernten wir Tina kennen. Sie wohnt im gleichen Ort wie wir und da lag es nah, dass wir sie mitnehmen würden. Sie hat schon seit 7 Jahren mit Pferden zu tun und hat absolut keine Angst vor diesen Tieren, was uns noch sehr helfen wird, wie sich später herausstellt. Ab diesem Tag haben wir sie sozusagen adoptiert. Tina hat sich sehr viel um Maika gekümmert, während Karina mit Bradley kämpfte. Und mit der Zeit wurden wir richtige Freunde. Dann kam der Tag an dem wir beide Pferde zusammen in die Halle ließen... Es war fantastisch. Bradley fetze dauernd hinter Maika her und wenn Maika stehenblieb, blieb sie auch stehen. Einfach schön.

 

 

 

 

Meine Angst und Intensivtraining für die Schwarze

 

Nachdem das mit den zwei Pferden in der Halle geklärt war, ging’s langsam ans Eingemachte. Karina wollte Bradley reiten und irgendwann mit Maika galoppieren. Okay, die Haflingerdame war in den Fängen von Tina gut aufgehoben und fing mit ihr dann das Galoppieren an. Karina kämpfte mit Bradley weiter vom Boden aus, weil dass ja auch schon bei der blonden Kugel recht gut geklappt hat. Nun konnte man schon auf ihr reiten, weil sie eigentlich doch eine ganz Brave ist. Haja, bei Karina sieht das ja immer ganz leicht aus, das Reiten.

Also, hab ich meinen ganzen Mut gesammelt und hab mich auch auf Bradley gesetzt. Ich reite! Nun ja, es war eigentlich ein langsames Vorwärts-Schlafen der lieben Dame. Denn mehr als Schritt an der Longe hab ich mich nicht getraut. Hm, so stellte sich heraus, dass es doch Menschen ohne Gleichgewichtssinn gibt - also zumindest einen, nämlich mich. Das war dann auch schon mein eher bescheidener Auftritt in der Welt der Reiterei. Ich denke, ich lass es lieber sein.

Karina fand den neuen Sattel, den wir uns extra für Bradley gekauft haben, irgendwie komisch. Man sitzt darin nicht gut, rutscht nur hin und her, er ist unbequem usw. Un nu, ab nach Regensburg Sattel anschauen, obwohl eigentlich schon klar war, welcher es werden würde. Aber egal. Also, gleich mal ein paar verschiedene Sättel zur Probe geordert. Die kamen dann auch kurz darauf und schon vor der Sitzprobe war klar, dass es wieder ein Stübben Scout wird. Gleiche Farbe, wie Maikas. Gut, schöner Sattel!  Mit diesem Prachtexemplar ging’s auch mit dem Reiten wesentlich besser.

Und eines schönen Tages kam die Einladung zur Landeszuchtschau in Straußdorf. Nun gut, weil dabei sein alles ist, haben wir uns angemeldet, weil hässlich ist sie ja nicht, unsere Bradley J. Also wurde jetzt mit ihr geübt und geübt. Immer wieder um dieses blöde Rechteck rum, im Schritt und Trab. Und siehe da, das, was die Damen da fabrizierten, nahm langsam Gestalt an. Zwischendurch Tipps vom Experten geholt und sie auch zum Teil befolgt.

 

 

Let’s get outside

 

Auf Grund der Tatsache, dass Bradley ein sehr ruhiges Pferd ist, kam Karina der Gedanke, dass man mit den Beiden doch mal spazieren gehen könnte. Noch am selben Tag wurde das Experiment durchgeführt. Bradley war so cool wie ein Stein. Doch vor genau selbigen wurde Maika fast zur Furie. Da stand so ein blöder Traktorgewichtsstein am Wegesrand und wollte unsere Kleine doch tatsächlich angreifen- dachte zumindest sie. Die Nüstern weiteten sich auf Faustgröße, das Weiß der Augen war mehr zu sehen als der Rest. Okay, ab nach Hause. Nach diesem Abenteuer hatten die Pferdchen den restlichen Tag frei. Ach ja, Bradley hat den Stein nicht mal bemerkt. Als wir diese Tour noch ein paar mal gegangen sind, merkte auch unser Hafi, dass der Stein da wirklich nur rumsteht und niemanden töten will. Nun war er auch ihr egal.

Tina trainierte ja weiterhin fleißig mit Maika und jetzt war das Gallopieren kein Problem mehr. Karina gallopiert jetzt auch ganz fleißig und hat gar keine Angst mehr. Das kann sich jetzt langsam richtig sehen lassen. So wurde es schließlich Sommer und es klappt immer besser, abgesehen von dem gelegentlichen Stress den der Stallbesitzer macht, weil er irgendwie mit dem Unternehmen Reitstall nicht mehr klar kommt.  

Ich hab mich zwischendurch mal ein bisschen im longieren versucht, aber na ja.

 

 

 

Foto-Shooting

 

Hm, 2 so schöne Pferd, dachten wir so und meine Fotos sind so gerade mal mittlerer Durchschnitt. Irgendwie musste man sie doch zur Geltung bringen. Kurz darauf erfuhren wir, dass Renate vom Mooshof jetzt auch Fotos macht. Ein kurzer Besuch auf ihrer HP und wir überzeugten uns von ihrem Können. Ein paar Mal telefoniert und der Termin stand. Die Mädels haben unsere Pferde auf Hochglanz poliert und ich war gespannt, was uns erwartet. Als Renate da war, gingen sie und die Mädels mit den Pferden auf die große Koppel. Aber unsere Pferdedamen waren mal wieder stinkfaul und standen nur rum und grasten gemütlich. Erst als Karina und  Tina sie ein bisschen scheuchte, kam leben in die Bude. Renate machte viele, viele Fotos und nach ca. ner halben Stunde machten wir uns auf zu neuen Ufern. Am Radwanderweg entlang mit RMD-Kanal im Hintergrund, super Idylle für Fotos. Als wir dann an einen großen Teich kamen, meinte sie, ob die Pferde nicht ins Wasser wollen.

Na ja, anfangs nur unter Führung, aber es sind super Bilder geworden. Karina und Tina ritten mit Bradley durch das flache Wasser und Renate knipste ununterbrochen. Nun so kamen wir dann zum Ende. Wir bekamen noch ein Foto von den Mädels mit Pferd im Wasser geschenkt um die Wartezeit zu verkürzen. J

 

 

Das 1. Mal on tour

 

Nun war er da, der Tag vor der Zuchtschau. Wir fuhren zum Mooshof um das Tinkerfest zu besuchen, was dank dem Wetter auch wirklich ziemlich irisch ausfiel. „Na hoffentlich ist das Wetter morgen besser“ dachten wir so bei uns. Jonas durfte Tinker reiten und wir kauften dies und das. Wieder daheim ging’s ans Bradley putzen. Karina und Tina rückten den Schmutz mit Pferdeshampoo und diversen Bürsten und Striegeln an den Kragen. Aber das ging natürlich erst, nachdem wir den Stallbesitzer mehr oder weniger angebettelt haben, sein wertvolles Wasser benutzen zu dürfen. Alles in allem ein schöner Tag.

 

 So, Tag X. Jetzt stehen wir in unserem Stall und verladen unsere Süße, was ohne weiteres funktioniert. Kurz darauf fuhren wir los. Wir waren an diesem Tag,  welcher wirklich sonnig und halbwegs warm war: Karina, Konrad, Tina und meine Wenigkeit. Nach einem kleinen Zwischenstop auf nem Autobahn- Parkplatz, weil Probleme mit Hänger, ging’s relativ zügig weiter zum Mooshof. Gut angekommen, packten wir Bradley aus und brachten sie in ihre angemietete Box. Recht interessiert beobachteten wir das Geschehen. Dann sah ich, dass jedes Pferd, dass teilnimmt eine Schleife bekommt, zumindest ne weiße. Hihi, dann nehmen wir auf jeden Fall was mit nach Hause J. Wir waren irgendwann um halb Zwölf angesetzt, aber das wurde dann irgendwie auf halb Drei umgesetzt. Macht auch nix, Biddy steht ganz cool in ihrer Box und ist ansonsten auch sehr gelassen. Wir schauen derweil den anderen Teilnehmern zu, ist ganz witzig und interessant.

So nun ist unser Ring dran. Alles sehr schöne Pferde, muss wohl am Jahrgang liegenJ. Jetzt kommen wir, oh Gott bin ich nervös. Tina macht das schon sehr gut, schaut echt super aus, nur ab und zu zieht der Po von Bradley ein bisschen stark nach außen. Dann kommt das Freilaufen. Oh, das sieht aber nicht so gut aus, denn irgendwie hat die feine Dame gar keine Lust zu traben. Erst nachdem eine gute Bekannte von uns, die auch hervorragende Fotos macht, zu Karina gesagt hat, sie soll mit in den Ring gehen und der Guten fein zureden, klappte der Trab auch halbwegs.

Jetzt hatten wir natürlich schon ein wenig Bammel vor dem Urteil der Jury, denn dass sah ganz anders aus, als wir es geplant hatten. Okay, Ergebnis abwarten. Jetzt war es soweit: Urteilsverkündung.

Alle sehr gut und ganz am Schluss stand nur noch Bradley mit Tina im Ring. Alle waren nervös und dann die Traumnote 8,3. JAAA! Ringsieger, wer hätte das gedacht. J Also, ich nicht. So jetzt erst mal Pferd in die Box und sich ganz fest freuen. Jetzt konnte man sich beim DPZV anmelden und bekam dann auch gleich eine Züchterplakette. Kurz vor Schluss der Veranstaltung kam dann noch der Endring, in dem die Sieger der einzelnen Ringe gegeneinander antraten um den Gesamtsieger zu ermitteln. Also haben wir Bradley noch mal mobilisiert und mit Tina in den Ring geschickt. Und siehe da, am Ende waren wir 1.Reservesieger. Auch nicht schlecht. So jetzt noch ein bisschen mit Thomas und Renate geratscht und dann langsam ab nach Hause. Hm, der Tag brachte im Endeffekt doch wesentlich mehr als erwartet. Ich wollte doch nur ne weiße Schleife J, jetzt haben wir nen Pokal, ne goldene Schleife und eine Züchterplakette. Jaja, die Zuchtgemeinschaft Weggel. Endlich zu Hause angekommen haben wir erst mal die Gewinnerin ausgeladen und ein bisschen auf die Koppel gelassen. Und dann dem Stallbesitzer so ganz nebenbei den Pokal und Co gezeigt. Mann war der neidisch. Nix mehr nur sein Oberüberfriese! Jetzt gibt’s noch ein 2. tolles Pferd im Stall, das seinem Friesen bei den Reitkindern eh schon lang den Rang abgelaufen hat. So jetzt geht’s ganz nach Hause und daheim alles erzählen. War auch ein sehr schöner Tag heute.

 

 

 

 

 

 

 

Zeit des Wandels

 

Nach diesem Schlag ins Gesicht wurde unser Stallbesitzer immer unachtsamer. Seine neuste Angewohnheit war es, die Pferde frei von den Paddocks zu den Koppeln zu scheuchen. Schwachsinn, wenn man bedenkt, dass in ein paar Wochen kleine Ferienkinder genau diese Pferde mit Strick von der Koppel holen sollen... Alles mit weißen Netzen abgehängt, damit die Tiere nicht in die falsche Richtung laufen, lief er schreiend hinter ihnen her, der Held. Irgendwann kurz darauf kam dann der Punkt wo es unerträglich wurde. Auf der Suche nach Maikas Halfter entdeckten wir diverse alte Zäune und Metallplatten einfach so auf der Koppel liegend, als Maika danach noch humpelte und er es nichtmal gemerkt hat, beim rein und rausführen, war die Entscheidung gefallen. Wir sehen uns nach einem neuen Stall um. Gleiche Kriterien wie dieser Stall, sprich Distanz, tägliches misten und füttern...

Wir sahen uns einen Reitstall in unserer Nähe an, von der Distanz her wäre er ideal, die Hälfte zum Jetzigen. Die Leute machten einen netten Eindruck, aber den machte der Ehemalige am Anfang auch.

Wir unterhielten uns ein bisschen mit ihnen und man merkte, dass diese Menschen, im Vergleich zu manch anderen Stallbesitzern, wirklich Ahnung haben. Ich sah das erste Mal, dass man mit Pferden auch „human“ umgehen kann, wenn man Stallbesitzer ist. Schnell war Karina klar, dass hier unsere Pferdchen in Zukunft wohnen werden. Uns wurde auch gleich Hilfe angeboten in der Hinsicht, dass sie uns ihren Pferde-LKW leihen und ihn auch selbst fahren... Das nennt man Service. Die Boxen sind auch schön, nur nicht ganz so hell wie im alten Stall.

So nun kommt der Tag, an dem die Pferde abgeholt werden. Und ich muss mal wieder arbeiten...

 

Eine neue Zeit

 

So, nun waren wir in Mindelstetten. Ging ganz schnell über die Bühne. Wir verstanden uns ganz gut mit den Stallbesitzern, die da heißen Jutta und Peter. Peter ist ein kleines Allround-Talent, was Pferde angeht und Jutta unschlagbar im Kutschenfahren. Dann sind da noch einige fleißige Helfer und zwar Kerstin, Fitz, Kerstins Mann Fons und noch ein paar andere. Außerdem zum Inventar gehören Moni, die Reitlehrerin, von der wird man später noch mehr lesen, ca. 17 Pferde und jede Menge Reitmädels, die sich auch immer zu fleißigen Helfern ernennen. Wobei man eigentlich Stall gar nicht sagen darf, weil es auf mich eher den Eindruck einer Reitanlage macht, aber bei mir ist alles Stall.

In diesem Stall hat man auch nicht das Gefühl, allein zu sein, denn wenn man jemanden mit Fragen über Pferde oder Kutschenfahren bombardiert, bekommt man immer vernünftige Antworten. Unsere zwei Süßen brauchten auch gar nicht lange um sich einzugewöhnen, hatten den Umzug gut überstanden, dafür bekam Biddy jetzt Mauke.

 

 

 

Über fliegende Mädchen und andere Probleme

 

Als Karina es das Erste mal sah, fragten wir Jutta, ob das Mauke war - und es war Mauke. Erst mal nachdenken, woher das denn kommen könnte. War’s die Umstellung von Sägespäne auf Stroh, oder die Umstellung des Futters, oder hat sie den Umzug nicht verkraftet? Fragen über Fragen. Jetzt bekam sie ihr altes Futter wieder und stand auf Sägespäne- kein Unterschied. Nun war handeln angesagt, wir riefen den Tierarzt an und er gab uns ein Medikament zum aufsprühen. Das Dumme war, dass Biddy sich da nix hinsprühen lassen wollte. Sie haben es zu zweit versucht, die eine hält, die andere sprüht.

„Nicht mit mir!!!“ ,dachte sich unsere Schwarze und tritt Tina mal eben so 2-3 Meter auf die Seite. Welch Glück, dass sonst niemand in der Nähe war, denn Tina hatte ein Stück Seife in der Hand und die schoss jetzt durch den Stall. Also, so geht’s schon mal nicht. Schöner Mist! Zum Glück kam dann die Rettung in Form von Jutta, Moni, Kerstin und einer Freundin von Jutta. Zu viert bearbeiteten sie Bradley, bis der erste Wiederstand nach 3 Tagen gebrochen war. Sie wollen ihr ja nur helfen, vielleicht hat sie’s ja kapiert. Kerstin kämpfte mit ganzem Körper- und Stimmeinsatz. J War sehr interessant zuzusehen. Doch wirklich besser wurde es auch nicht. Daraufhin machte Jutta an einem schönen Abend den Vorschlag, die Puscheln zu rasieren, damit man gut an die Haut kommt und mehr Luft an die betroffenen Stellen kommt. Karina war total dagegen, denn sie wollte unbedingt die Puscheln behalten, weil sie ja zu dem  Pferd gehören. Nach mehreren Diskussionen einigte man sich dann darauf, das Deckhaar nicht zu schneiden und nur darunter zu schneiden. Jutta übernahm diese Aufgabe und machte es hervorragend. Mit neuen Energien ging’s dann wieder ans Werk und man sah kurz darauf erste Anzeichen der Besserung. Wir haben uns ein paar Wundermittel von diversen Firmen bestellt, kannst alles vergessen. Die Mauke blieb da, nur der Geldbeutel schmälerte sich. Wir bekamen den Tipp, einfach mal Olivenöl und Bepanthen zu probieren, also die Füße damit zu massieren. Auf die trockene Haut das Öl und auf die von Mauke befallenen Stellen die Bepanthen. So haben es die Mädels und Karina am Ende allein geschafft die Mauke zu stoppen. Jetzt wissen wir zumindest, was zu tun ist.

 

 

Reitstunden

 

 

Es gab noch etwas, dass wir noch nicht kannten. Hier trifft man sich abends ab und zu im Reitstüberl und feiert oder sitzt einfach nur zusammen und ratscht. An so einem Abend, unsere Einstandsfeier,  machte Jutta Karina den Vorschlag, mit Maika bei Moni Reitunterricht zu nehmen. Karina fand das nicht so toll, denn alles, was Maika bis jetzt konnte, hatte ja sie ihr selbst beigebracht. Aber sie lies sich dann doch umstimmen, ich weiß gar nimmer wie. Auf jeden Fall nahm sie ein paar Reitstunden bei Moni. Was jedoch das größere Problem war, war Bradley. Durch die lange maukebedingte Standzeit, bzw. Nichtreitzeit, hatte sie auch irgendwie nicht richtig Lust, wieder Leute durch die Gegend zu schleppen und machte das auch sehr deutlich. Sie ist halt ein sehr selbstbewusstes Pferd. Nun durfte Moni mit Bradley spielen. Es war zwar zeitweise ein harter Kampf, aber es sah immer gut aus. Die kann das echt gut, die Moni, und nach ein paar Reitstunden gab Bradley sogar schon den Kopf her. Was dann folgte, war das Gallopieren. Anfangs schlug sie noch Haken wie ein Hase, aber das trieb ihr Moni sehr schnell aus. Irgendwann musste dann Karina drauf, weil Moni schwanger wurde. Sie ritt Bradley die erste Zeit schon noch, aber dann hat sie doch lieber aufgehört, was auch besser ist. Mittlerweile reitet Karina schon ganz alleine und gallopiert auch mit ordentlich Dampf auf Bradley. Man kann jetzt auch schon auf ihr reiten, wenn andere Pferde mit in der Halle sind und sie bleibt ganz brav.

Tina geht zur Zeit mehr ihre eigenen Wege, jaja, die Liebe. J Bleibt mehr für Karina.

Zudem brauchten wir eine Reitbeteiligung, die Maika dann ritt, wenn Karina nicht da war, zwecks Bewegung. So eine war dann auch schnell gefunden.

 

 

Longierversuche

 

Ich versuchte mich zwischenzeitlich mit Maika und der Longierarbeit. Das ist gar nicht so leicht, wie es aussieht, wenn man es das erste Mal macht. „Du musst die Longe so nehmen...“ oder „ Nicht so fest ziehen!!!“ waren die meisten Sätze, die ich von hinten hörte. Aber irgendwie macht’s schon Spaß. Man muss halt aufpassen, dass man keinen Drehwurm kriegt, oder dass das Pferd hängen bleibt. Das könnte unschön enden. Ich versuchte mir etwas von Julia und Karina abzuschau’n, aber entweder bin ich zu doof, oder es ist doch schwerer als ich dachte. So wie die Bauern longieren kann ich’s auch, aber richtig ist doch was anderes. Ich bleib aber am Ball und werde weiterhin üben.

 

 

Sommer kommt

 

Endlich kommt langsam aber sicher der Sommer. Die Tage werden wieder länger und man kann auch mal erst um 20.00 Uhr zu den Pferden fahren, ohne dass es schon stockfinster ist. Wir nehmen jetzt ab und zu Jonas mit, damit er sich an die Pferde gewöhnt. Aber das ist bei so einem Energiebündel gar nicht so leicht.

 

 

 

c Stefan Weggel

04.02.12 Neues Helferlein online.